Das Ei

Ein Ei

Auf der Rückfahrt vom Harz ins Ruhrgebiet meldete sich der kleine Hunger. Erinnert sich noch jemand an diesen Kobold mit der schrillen Stimme und den abstehenden Ohren? Milchreis war leider aus. Noch übrig von der Hinfahrt: ein Ei. Ich kramte es aus der Provianttasche und holte zum Schälvorgang aus als der Fahrer mich jäh unterbrach: „Das ist jetzt nicht dein Ernst?“

„Was denn?“
„Du willst jetzt kein Ei essen?“
„… äh … doch … Spricht was dagegen?“
„Der Geruch.“
„Welcher Geruch?“
„Von dem Ei.“
„Was ist denn damit? Es ist fast frisch.“
„Man isst Eier nicht in der Öffentlichkeit.“
„… ? …“
„Das ist sowas wie die achte Todsünde.“
„Ein Ei zu essen?!“
„Der Geruch.“
„Ach? Es riecht doch nur nach Ei.“
„Es stinkt.“
„Wonach?“
„Nach Ei.“
„Also ich hab schon mal gehört, dass man Döner nicht in der U-Bahn essen sollte, wegen der Zwiebeln. Ich liebe rohe Zwiebeln zum Frühstück …“
„Die, die damals auf Klassenfahrten im Bus Eier und Frikadellen dabeihatten, saßen immer alleine.“
„Wegen der Eier?“
„Und der Frikadellen.“
„… ?! …“

Ich dachte immer, es lag an Pummeligkeit, Brille und Zahnklammer. Oder am Kartoffelsalat.
Beim nächsten Mal packe ich Milchreis ein.

 
 
 
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