Author Archiv: Barbara Underberg

Ich kann ja doch fliegen!

Im Juli fand die Premiere von „Intuivent“ statt. Dreizehn Menschen trafen sich am Meer, um Quatsch zu machen. Komplett zweckfrei und ohne hinderlichen Verstand. Dafür durchaus mit Sinn. Im Laufe der Jahre habe ich bei der Suche nach dem Ausgang aus diesem irdischen Irrgarten schon sehr viele Wege ausprobiert. Krumm, kreuz und quer, zick und zack. Von Selbstoptimierungsmethoden über diverse Verschlimmbesserungen bis …

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Frostbeulen und Kitefoilen

Mein erster Winter am Meer. Der Panda harrt tapfer draußen aus und wartet auf den Frühling. Wir mögen es beide lieber muckelig und brauchen trotzdem und erst recht auch jetzt regelmäßig Auslauf. Gestern Mittag war es wieder soweit, ab zum Lieblingsstrand.

Mein mambogelber Panda
Ich war tatsächlich die einzige weit und breit, der Wind blies eisig, die graue Wolkendecke schien greifbar nah, das Wasser stand höher als sonst und rollte grollend auf den Strand. Fast ein bisschen unheimlich.

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45 Jahre Katastrophenmanagement

1975 haben sich ein paar Hippies in einem abgelegenen Dorf an der Ostsee ein sehr altes Haus ausgesucht, um ihre Träume zu verwirklichen. Am Anfang wollten die Dorfbewohner sie mit Mistgabeln verjagen, heute feiern sie im Lutterbeker ihre Feste. Gerburg Jahnke, Ina Müller, Tim Fischer und viele andere sind dort aufgetreten. Da ausgerechnet zum Jubiläum Lockdown ist, lässt sich Familie Marx wieder was Neues einfallen.

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Bodydragqueen, oder: Die nicht mit dem Drachen tanzt

Am letzten Wochenende war es endlich so weit. Nachdem der Kite-Kurs mehrfach ausfallen musste – mal wehte der Wind falschrum, mal gar nicht -, sollte ich nun in die Kunst dieses Wassersports eingeweiht werden. Eines Sports, der die Ausübenden oft jauchzen lässt, so dass eine vom Strand aus Zuschauende wie ich erst neidisch, dann neugierig und schließlich von vielen Seiten gewarnt wurde. Gefährlich sei es, Unfälle gebe es. Guckt man in der Ecosia-Bildersuche nach „Kitesurfing“ lässt sich nicht verhehlen, dass ich eher nicht zur Zielgruppe zähle.

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An der Schwelle in ein neues Leben

Gestern vor vier Monaten, heute vor 125 Tagen haben wir einen Laster und den Panda mit allem vollgestopft, was noch übrig war, und sind 450 Kilometer in den Norden gefahren. Hier am Meer ist so einiges anders als im Pott. Türschwellen zum Beispiel. Ich wohne nun in einer Altbauwohnung, die alles hat, was ich mir von einer Wohnung immer gewünscht habe. Sogar frisch geschliffene Holzdielen. Nur am Strand oder auf einer Wiese barfuß laufen ist noch flauschiger.

Unter jeder Tür ist eine kleine Stufe montiert. Die vom Flur ins Bad ist mit neun Zentimetern ein Stück höher als die anderen. Alle meine bisherigen Wohnungen waren barrierefrei, so dass ich nachts ohne Licht und Hirn einzuschalten Richtung Klo schlurfen konnte. In einer der ersten Nächte im Norden wurde ich wie gewohnt wach und tapste Richtung Bad. Wie gewohnt setzte ich einen Fuß vor den anderen. Und stieß mit den rechten Zehen so unerwartet und heftig gegen das Hindernis, dass …

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Frank Goosen und der weite Weg ans Meer

Nach 54 Jahren ist Frank Goosen immer noch Bochumer. Teils aus Leidenschaft, teils aus Gewohnheit. Der Autor und Bühnenkünstler, den im Ruhrgebiet jedes Kind kennt und der auch in Köln und Konstanz Fans des gepflegten Humors um sich zu versammeln weiß, hatte am Dienstag einen Termin in Kiel. Lesung aus seinem aktuellen Buch über die Beatles. Als langjährige Bochumerin und Neukielerin packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und bat um ein Interview. Eine bessere Brücke zwischen Pott und Küste, einen passenderen Paten für mein neues Baby „Moin Schleswig-Holstein“ konnte es kaum geben. Und er sagte sogar zu. Halb sechs im Hotel Atlantic.

Ich bereitete mich inhaltlich, technisch und optisch so weit vor, dass ich gegen halb fünf starten konnte, um diesem Ereignis angemessen würdevoll entgegenzutreten …

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Hop on, hop off

Gestern war die Stadtrundfahrt dran. Endlich. Mich im Doppeldeckerbus herumfahren lassen und mein seit zehn Wochen neues Zuhause einmal von allen Seiten präsentiert bekommen. Die Tour heißt „Hop on, hop off“, weil man einen ganzen Tag lang an insgesamt acht Haltestellen jederzeit zu- und aussteigen kann. Küstenkonsum statt aktiver Aneignung. So hatte ich es mir jedenfalls vorgestellt und

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Abwehrreflexe

Ich fotografiere gern. Auch hier habe ich am liebsten wenig Zeug und Zubehör. Riesige schwere Taschen mitschleppen, ständig irgendwas ein- und auspacken, ab- und dranschrauben, auf- und einstellen muss ich nicht haben. Aus Gründen, an die ich mich nicht erinnern kann,

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Nicht zurückhassen – Be kind first

Vorhin las ich diesen Kommentar über Lars Eidinger und bin gelinde gesagt fassungslos. Wir ringen gerade um unseren Umgang mit der Höcke-AfD, mit rassistischen Morden und mit einem scheinbar immer rauer werdenden gesellschaftlichen Klima. Und die taz veröffentlicht einen Kommentar, in dem die Formulierungen „Krokodilstränen“, „labern“, „falsche Betroffenheit“, „bürgerlich anbiederndes Geschwafel“ und „Feelings in den […]

Schaukeln am Strand

Die Wunder des Lebens feiern

Bis vorhin hatte ich Geburtstag. Den Tag habe ich allein verbracht. Allein? Natürlich nicht. Gestern war ich den ganzen Tag bei einem sehr schönen Event und um halb sechs Zuhause. Ganz ohne Vorbereitung geht’s auch nicht. Um halb acht kamen die ersten Leute. Mit wenigen Ausnahmen habe ich es schon immer so gemacht, dass die Gäste als Geschenk das Essen mitbringen. Das funktioniert derart gut, dass ich es vermutlich nie ändern werde.

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Udo Lindenberg und Barbara Underberg bei ein Gläschen Eierlikör

Udo Lindenberg, Eierlikör & ich

Gestern hatte der Udo Lindenberg-Film „Mach dein Ding“ Premiere. Eine schöne Gelegenheit, eine meiner Lieblingserinnerungen rauszukramen. Der Beginn meiner Selbstständigkeit war das „Stadtblatt“, ein Ruhrgebietsmagazin – 50.000 gedruckte! Exemplare pro Ausgabe-, das sich ums schöne Leben im Pott drehte, Bio, Öko, gutes Essen, ein bisschen Kultur. In jeder Ausgabe ein Promi auf dem Titel und […]

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Kroketten, Karaoke & Hallelujah

KEINE WEIHNACHTSGESCHICHTE
Eigentlich wollte ich eine Geschichte schreiben über Klaus, das Klavier, und Sabine, das Saxophon, die gern miteinander gespielt hätten, aber sich noch nicht einmal auf die Tonart einigen konnten. Da Weihnachten ist und mir der Sinn nicht nach Streit steht, hat das nicht geklappt. Also doch wieder was Autobiographisches.

Ein Ei

Das Ei

Auf der Rückfahrt vom Harz ins Ruhrgebiet meldete sich der kleine Hunger. Erinnert sich noch jemand an diesen Kobold mit der schrillen Stimme und den abstehenden Ohren? Milchreis war leider aus. Noch übrig von der Hinfahrt: ein Ei. Ich kramte es aus der Provianttasche und holte zum Schälvorgang aus als der Fahrer mich jäh unterbrach: […]

Veit Lindau gespiegelt in einer Fensterscheibe

Veit for Life – Eine Art Liebesbrief

Als ich vor vielen Jahren AStA-Referentin an meiner Uni war, meckerte mich einmal eine Frau aus meiner eigenen Gruppe, natürlich ungerechtfertigt, an. Ich sah ihr in die Augen, lächelte und sagte im Beisein von zehn anderen Leuten laut: „Ach, Juliane, ich kann dich auch nicht leiden.“ Und kam mir unglaublich lässig dabei vor. Damals hätte […]

Nicht AfD wählen reicht nicht

Fremdenfeindlich, autoritär eingestellt, narzisstisch. Durchschnittliche AfD-Wähler*innen sehen sich laut Wissenschaft selbst als Opfer. Bei der Ursachenforschung kommen viele Dinge zusammen, keine Frage. Alles multikausal, ich weiß. Aus meiner Sicht machen wir es uns zu einfach, auf „die anderen“, die tumben AfD-Symps, mit dem Finger zu zeigen. Die sind nur die Spitze des Eisbergs. Es beginnt […]

Musiker beim Klimastreik am 20. September in Bochum

Nicht nur regionales Fallobst

KLIMASTREIKS AM 20. SEPTEMBER

Meine persönliche Demobiografie verläuft parallel zu den letzten Jahrzehnten Weltgeschichte. Sie begann Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts vor Woolworth in Dorsten. Nicht viel mehr als ein Dutzend Althippies stellten sich dort einmal in der Woche eine Stunde im Halbkreis um den vertrockneten Brunnen und schwiegen für den Frieden.

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Katamaran am Ostseestrand

Segeln ohne alles

Nachdem mein Augustausflug an die Ostsee sehr wunderbar war, zog es mich am letzten Wochenende direkt wieder dorthin. Schnuppersegeln. Einfach mal ausprobieren, ob die rohen Kräfte des offenen Meeres was für mich sind. Nachdem ich im August nahezu den gesamten Inhalt von Kleider-, Kühl- und Badezimmerschrank im Panda gen Norden transportiert hatte, beschränkte ich mich […]

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Schild Ignoranz

Paul & ich

GEWISSENSBISSE
Wir haben uns immer gut verstanden. Paul hat seinen eigenen Kopf und mag längst nicht jeden. Insofern freue ich mich immer besonders, wenn er guter Stimmung ist und wir eine schöne Zeit zusammen haben. Vorgestern war unser monatlicher Frühschoppen in der Kaue eines Wohnprojekts und gegen Mittag füllte sich der Raum zusehends. Als Paul kam war ich bereits satt, hatte einige Tassen Kaffee getrunken und wollte ihn freudig begrüßen. Ich spürte gleich, dass etwas anders war als sonst.

Frauenfuß mit Kinderkacke

Shit happens im Hippiecamp

Bielefeld. Man könnte denken, damit sei bereits alles gesagt. Doch meiner persönlichen Biografie hat dieser Ort, der sich in einem dunklen Wald am Rande der ostwestfälischen A2 verbirgt, in dieser Woche eine Duftnote hinzugefügt. Da Sommer ist, weilten Freunde in einem dortigen Sommercamp. So machten der Panda und ich einen Ausflug, um sie zu besuchen. Dies sollte sich als echt besch*ssene Idee herausstellen.

Toben im Tattoostudio

Toben im Tattoostudio

MEIN HIRN & ICH SITZEN IN DER PATSCHE
Hätte mir vorgestern jemand prophezeit, ich würde mich mit einem Fünfundzwanzigjährigen auf dem Fußboden eines Tattoostudios wälzen, hätte ich befremdet die linke Augenbraue hochgezogen und geantwortet: eher unwahrscheinlich. Oder anders formuliert: Die Wahrscheinlichkeit für einen derartigen Vorgang liegt bei ziemlich genau NULLKOMMANULL

Gelber Panda in Parklücke

Parken mit Panda

Erfreulicherweise gibt es ein paar Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die Beherrschung der Kunst des Autofahrens gehört nicht dazu. Ich fahre seit dreißig Jahren unfallfrei und hatte noch nie einen Punkt in Flensburg. Was auch an den Autos lag. Ein zwanzig Jahre alter Ascona ist schon froh, wenn er es über die Autobahn schafft, ohne […]

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Nacktschnecke

Nacktschnecken abschrecken

Auf meiner Terrasse stehen unter anderem neun zum Teil recht große Kübel mit fünf Sorten Fargesien. Auf ihre Robustheit bin ich sehr stolz, zumal einige von ihnen eine recht raue Vermehrungsprozedur mit Axt und Kettensäge gut überstanden haben und nun umso wilder wachsen. Eine Sorte jedoch hat sich als Paradies für Blattläuse entpuppt. Mehrfaches bienenungefährliches […]

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Gebratener Insektenburger

Mein Hirn & ich testen Insekten

DER WEITE WEG ZUR VEGETARISCHEN WURST
Zum Pfälzer Saumagen kam es nie. Wohl vor allem deshalb, weil die Pfalz sich außerhalb meines Dorstener Aktionsradius´ befand. Was es allerdings gab: Panhas. Obwohl man mir als Kind die zweifelhafte Zutatenliste vorenthielt, mochte ich diese rotbraungebratenen krümeligen Scheiben nicht besonders. Wer jedoch an Panhas gewöhnt wurde, hatte kaum eine Chance, toten Tieren auf Tellern zu entkommen. Und so liebe ich Fleisch und Wurst bis heute.

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Willy Brandt-Statue

Mein Hirn & ich hatten gewählt

DIE SPD IN FUTUR II
Ich bin als Arbeiterkind gegenüber vonne Zeche aufgewachsen, also von Hause aus sozialdemokratisch-rot, mein Hirn ist seit den achtziger Jahren überwiegend grün. Mit vierzehn trug ich aus Protest gegen Krieg und meine Eltern lila Latzhose, Hennahaar und goldene Nickelbrille und schwieg freitagmittags vor Woolworth für den Frieden. Für Greta habe ich also schon deshalb Sympathien, weil sie meinen pubertären Widerstand rückblickend visionär aufwertet.

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Rosa Ballettschuhe

Mein Hirn & ich im Tanzsaal

MIT ELFEN, GEIERHÄLSEN UND PLIÉ
Ich war eins dieser Kinder, das nie so recht irgendwo dazu gehörte. Diejenige, mit der man sich anfreundet, wenn man es sich mit den coolen Kids verscherzt hatte. Farblos, ein bisschen pummelig, Brille, Pferdegebiss, Second-Hand-Jungsklamotten und mit auf Mutters ausdrücklichen Wunsch an Mireille Mathieu angelehnter Topffrisur. Und dann auch noch unsportlich. Schon in der Grundschule war ich im Eckenrechnen einigermaßen konkurrenzfähig, im Sportunterricht hingegen offenbarte sich das Defizit, das mich bis heute begleiten sollte. Ich war diejenige, die vor den Bock prallte, weil sie sich nicht traute drüberzuspringen.

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